Drucken

FileMaker: Flexibles Werkzeug für Laien und Pro...

FileMaker: Flexibles Werkzeug für Laien und Profis?

FM_Artikel_Screens1.png

FileMaker-Anwendungen: Vielseitig, funktional, kundennah

 

 

FileMaker: Flexibles Werkzeug für Laien und Profis?

 

Ein Gespräch mit Anbietern und Entwicklern FileMaker-basierter Agentursoftware

 

Viele der im Guide Agentursoftware vertretenen Lösungen für Agenturen werden auf der Basis von FileMaker entwickelt.

Zum Start der neuen Serie über technologische Hintergründe der im Guide eingetragenen Agentursoftware-Produkte befragte Heike Mews von der Agenturberatung hm43 fünf Anbieter FileMaker-basierender Programme.


Das gesamte Interview steht als PDF-Download zur Verfügung.

FM_ArtikelStr.png


Engler.jpg
Martin Engler
von LES.workflow
Software: AgenturOffice

Norbert_Gruenberg_GF.jpg
Norbert Grünberg
COCOS.crack
Software: Crack.project

Hahn.png
Thomas Hahn
walkingtoyou.com
Software: blue.

utf-8P1010306.jpg
Jürgen Helle
helle.ploigt
Software: :agentursuite

HL.png
Heike Landschulz
Software: Job+

Heike Mews: Über FileMaker gibt es viele Meinungen. Welchem Vorurteil begegnen Sie am häufigsten und wie antworten Sie darauf?

Thomas Hahn: Dass Fachbücher oder IT-ler über ein Tool wie FileMaker nicht schreiben, ist für mich keine Aussage über die Qualität einer Lösung. Auch mit mySQL können Sie unbrauchbare Software entwickeln, das liegt immer an den Entwicklern, nicht an der Lösung.

Jürgen Helle: Ein häufiges Argument lautet, dass eine FileMaker-Lösung langsam und nicht für große Anwenderzahlen ausgerichtet sei. Die Praxis zeigt etwas völlig anderes. FileMaker hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Die Datenbank-Engine von FileMaker ist mittlerweile in der Lage viele Millionen Datensätze ohne Probleme sicher zu verwalten. Unsere :agentursuite ist auch bei großen Agenturen erfolgreich im Einsatz. Teilweise mit über 100 Arbeitsplätzen.

Heike Landschulz: Wie Sie schon sagten: Viele IT-ler, besonders die aus dem Windows-UNIX-Umfeld Kommenden, kennen FileMaker entweder gar nicht oder belächeln ihn als „Spielkram“. In vielen großen Firmen dürfen nur Microsoft-Produkte zum Einsatz kommen. Von einigen Fachabteilungen hört man dann das Argument „Unsere IT kennt FileMaker nicht und kann ihn nicht supporten. Was machen wir, wenn mal was ist?“ Doch wenn FileMaker Pro einmal läuft, dann läuft er, solange keine Änderungen an der Hardware vorgenommen werden.

Norbert Grünberg: Ich habe oft gehört, FileMaker sei zu teuer. Deshalb bundlen wir FileMaker-Lizenzen direkt in unseren Gesamt-Preis. In dieser Kalkulation kostet eine FileMaker-Lizenz nur noch 100,00 EUR.

Heike Landschulz: Auf solche Bedenken kann man nur antworten, dass FileMaker Pro ein Werkzeug ist, mit dem sich ganz schnell Lösungen erstellen lassen, die somit kostengünstig sind. Auch das Programmieren ohne kompilieren und installieren zu müssen, ist effizient und senkt die Kosten.

Martin Engler: Das häufigste Vorurteil lautet, dass sich mit FileMaker keine professionellen Lösungen erstellen lassen. Leider hat sich hier ein eigentlicher Vorteil – die niedrige Lernschwelle – für FileMaker-Anbieter in einen Nachteil gekehrt, weil dadurch sehr viele Autodidakten ohne Informatikstudium Lösungen regelrecht „basteln“. Teilweise wird dieser unprofessionelle Touch von manchen dieser Entwickler selbst befördert, indem sie ihre eigene Unprofessionalität hinter Aussagen wie „Das geht mit FileMaker nicht..." verstecken. Die Anwender lasten diese mangelhafte Qualität – mangels Hintergrundwissen – dann nicht dem Entwickler, sondern FileMaker an.

Heike Mews: Auch hier greift offenbar die bereits angesprochene Gleichsetzung der Entwicklungsumgebung mit dem Endprodukt!

Thomas Hahn: Nein, das sehe ich nicht so. Wir zeigen unseren Kunden immer die Möglichkeiten unserer blue. Lösungen auf. Dass wir mit FileMaker entwickeln ist dann eher nebensächlich. Der Entscheidungsträger kauft nicht FileMaker, Access oder SQL, der kauft blue. oder eine andere Lösung.

Ein Kunde wünscht eine Lösung für seine Anforderungen und FileMaker ist dabei genauso ein Tool wie andere. Wir haben Kunden, die Oracle-basierte Systeme einsetzen und die froh sind, mit einem so gut erweiterbaren Tool wie FileMaker endlich auch produktiv arbeiten zu können. Egal welche Lösung, es gibt kein 200%iges Tool für die Umsetzung aller Kundenanforderungen und jede Software ist immer nur eine Annäherung an die Kundenwünsche.

Heike Mews: Ein Vorzug von FileMaker war damals die Plattform-Unabhängigkeit. FileMaker lief sowohl unter Mac und Windows, als auch Linux, was nicht für viele Entwicklungsumgebungen zutreffend war. Welche Vorzüge sehen Sie heute?

Martin Engler: Hier sehe ich gegenüber Browser-gestützten Systemen keinen direkten Vorteil. FileMaker hat aber den Vorzug, dass nicht permanent Kompatibilitätsanpassungen beim Erscheinen neuer Browser-Versionen vorgenommen werden müssen: Aufwand, den der Kunde mittelbar bezahlen muss.

Jürgen Helle: Die Entwicklung mit FileMaker führt einfach sehr schnell zu robusten Ergebnissen. Auch individuelle Anpassungen sind im Vergleich zu anderen Entwicklungsumgebungen mit deutlich geringerem Aufwand und damit auch deutlich geringeren Kosten möglich. Insbesondere auch im Vergleich zu „Browser-gestützten“ Systemen. Da mein Partner Maik Ploigt seit über 15 Jahren professionell mit HTML, Javascript, PHP und SQL programmiert, haben wir da den direkten Vergleich. Unsere Kunden sind Individualisten und wir programmieren Ihnen die passenden individuellen Systeme.

Norbert Grünberg: Ein wesentlicher Vorteil ist für mich, dass FileMaker eine Server/Client Lösung ist, die vom Lizenznehmer selbst in seinem eigenen Netzwerk gehostet wird. Die Daten schwirren nicht im Internet rum wie bei Browser-basierten Lösungen. Das gibt maximale Sicherheit für die eigenen Daten.

Thomas Hahn: Mit FileMaker lassen sich Kundenanforderungen wesentlich schneller, einfacher und damit auch für den Kunden preiswerter umsetzen als mit anderen Tools; vor allem ist das direkt bei der Integration beim Kunden vor Ort möglich.

Martin Engler: Auch LES bietet seinen Kunden auf Basis der Software AgenturOffice ein an die speziellen Anforderungen der jeweiligen Agentur hochgradig anpassbares System an – was auch alle Kunden begrüßen und nutzen. Anbieter von Web-basierten Systemen stellen hingegen Standard-Software her. Ein Ansatz, den wir im Bereich Workflow-Software für verfehlt halten. Unternehmen sind dynamische, ständig in Veränderung befindliche Organismen – eine Software muss diese Veränderungen mitgehen können.

Heike Landschulz: Das möchte ich unterstreichen. Schon durch die grafische Programmierumgebung kann man individueller und viel schneller als in anderen Systemen lauffähige Lösungen erstellen. Auch wurde FileMaker in den letzten Jahren deutlich um moderne Schnittstellen erweitert. Somit können FileMaker-Lösungen problemlos Daten beispielsweise mit dem DATEV Programm beim Steuerberater austauschen. Und mit der Version 12 ist die interne Programmierebene nochmals modernisiert worden. So erfolgt die Layoutgestaltung beispielsweise mittels CSS Technologie.

Heike Mews: In meiner Praxis begegnet es mir sehr oft, dass Agenturen Browser-gestützte Systeme deutlich bevorzugen. Eine große Rolle spielt dabei das Thema „Design“. Anwendungen auf Basis von FileMaker gelten oftmals als „altbacken“ und „unsexy“. Was sagen Sie Interessenten, die mit solchen Argumenten kommen?

Jürgen Helle: Es ist überhaupt kein Problem, FileMaker Lösungen mit nahezu jedem beliebigen Erscheinungsbild zu versehen. Die Version 12 verfügt über eine komplett neu entwickelte Layout Engine, die es jetzt auch direkt in FileMaker erlaubt, alle möglichen „modernen“ Effekte wie Farbverläufe oder MouseOver zu nutzen. Allerdings bevorzugen die meisten unserer Kunden doch eher ein unauffälliges und schlichtes Erscheinungsbild. Kreativ sind sie schließlich selbst. Haben Sie sich mal den Mac eines Designers angeschaut? Meistens ist dort der Schreibtischhintergrund einfach grau. Doch wenn jemand möchte, machen wir es auch gerne in Pink :-)

Thomas Hahn: Wir bekommen auch von Designagenturen sehr viel Lob für das Design und die Usability von blue. Wir haben ganz bewusst erst das komplette blue.-Design entwickelt und dann die Programmierung begonnen. Wir kennen diese Aussagen natürlich, aber wir haben wieder Neukunden, die sich von genau solchen Denkansätzen wieder lösen und zu FileMaker zurückkommen. Ein Browser ist von der Technologie her dafür konzipiert, Inhalte zu zeigen und damit immer limitierter als eine native Software. Und wenn wir dann wieder beim Thema Integration sind, lassen sich native Lösungen viel einfacher an externe Systeme anschließen als ein Browser.

Norbert Grünberg: Ja. Meiner Ansicht nach hat das Design nichts mit der Datenbank-Engine zu tun, sondern ausschließlich mit den Designern. Es gibt auch sehr gute Bespiele z.B. CRACK project – :-)

Heike Landschulz: Stimmt, wie die Masken aussehen, liegt ja nun wirklich am Programmierer bzw. – jedenfalls bei Job+ – am CI des Kunden, da ich das integriere. Und mal ganz ehrlich: Wenn ich so manche Web- bzw. Access- Anwendung sehe, stehen mir die Nackenhaare zu Berge. Mit FileMaker Pro 12 hat FileMaker viele neue Layoutvorlagen integriert. Hier können sich Kunden Anregungen holen, wie die Masken aussehen könnten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Anwender sich in Job+ gut zurecht finden, gerade weil die Hintergrundfarben die Module kennzeichnen. Die Einheitlichkeit der Tasten und Navigationselemente unterstützen ein effektives Arbeiten.

Martin Engler: Da stimme ich dem Gesagten zu. Leider sind die Fähigkeiten mancher Entwickler in Bezug auf Interface-Design noch mangelhafter als ihre Programmierkenntnisse. Dabei ist hochwertiges und modernes Interface-Design mit jeder Entwicklungsumgebung möglich – man muss nur einen Design-Profi beauftragen, anstatt selbst zu versuchen, eine Benutzer- und Augenfreundliche Oberfläche zu schaffen. Wobei es hier auf weit mehr als die Optik ankommt – Stringenz, Übersichtlichkeit, Logik sind ebenso wichtige Kriterien. Auch AgenturOffice besitzt ein ausgefeiltes Interface, das sich an das Corporate Design der Agentur anpassen lässt. Das fördert die Akzeptanz und schafft Identifizierung mit der Agentur.

Heike Mews: Sie haben es mehrfach benannt: Der Nutzen einer Software wird über die konkreten Anforderungen und die Benutzerfreundlichkeit definiert. Hier kommt allerdings die Crux zum Tragen, der alle Software-Anbieter ausgesetzt sind: Einerseits gibt es den Anspruch der „intuitiven“ Bedienbarkeit, wird „simplify“ auch von Software-Anwendungen gefordert und soll der Softwareergonomie über kurze Mauswege etc. Rechnung getragen werden. Auf der anderen Seite müssen die Anwendungen über eine große Funktionstiefe verfügen: Es geht nicht um einfache Anwendungen wie MacMail, sondern um Programme, die komplexe Aufgabenstellungen bewältigen sollen. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat bzw. wie verdeutlichen Sie diesen Aspekt?

Thomas Hahn: Mit dieser Fragestellung haben wir uns sehr lange auseinandergesetzt und viele Modelle und Prototypen entwickelt. Unser Lösungsansatz war dann der, dass wir Kernfunktionen definiert haben, die jeder User nutzen kann. Das sind zum Beispiel das Neu-Anlegen von Daten, die Suche oder das Drucken. Alle weiteren Funktionen sind bei blue. dann Aktionen, die sich für jeden Mitarbeiter individuell anzeigen, freischalten und bei Bedarf um weitere Aktionen erweitern lassen. Dieses System haben wir analog auch in der Navigation und in den Zugriffsrechten im Einsatz, so dass sich aus einer blue. Lösung per Klick für jeden Kunden und jeden Mitarbeiter eine eigene angepasste Lösung freischalten lässt.

Heike Landschulz: Ich habe kein Problem, einfach zu bedienende und trotzdem umfangreiche Lösungen zu erstellen. Durch einheitliche Symbole auf den Tasten bzw. Tasten mit echter Beschriftung führe ich meine User durch die Funktionen. Wenn es im Unternehmen bereits festgelegte Buttons und/oder Farben für bestimmte Funktionen gibt, werden diese einfach in Job+ implementiert. So finden sich die User schnell ein.

Norbert Grünberg: Ja. Mit Klartext-Schaltflächen ohne geheimnisvolle Symbole, einheitlichem Design in allen Bereichen und Reduzierung. Content Menüs und gute Onlinehilfen runden den Komfort ab. Auch können in CRACK.project vorhandene Design-Varianten vom jeweiligen User ausgewählt werden. Das verbessert das „look and feel“.

Jürgen Helle: Usability ist natürlich ein ganz wichtiges Thema. Etwas wirklich einfach zu gestalten, ist äußerst kompliziert. Dazu sind die Rückmeldungen von neuen Anwendern enorm wichtig, denn mit der Zeit wird man in diesem Bereich leicht etwas „betriebsblind“. Da die Entwicklung der :agentursuite erst nach dem großen „Schnitt“ begonnen hat, den FileMaker mit der Version 7 vollzogen hat, konnten wir von Beginn an alle neuen Möglichkeiten ausschöpfen.

Martin Engler: Vor dieser Problematik stehen alle Anbieter von Lösungen, die Arbeitsprozesse abbilden. Erschwerend kommt gerade in der Agenturbranche hinzu, dass einengende Abläufe sehr ungern akzeptiert werden und in vielen Fällen interne Prozesse noch gar nicht definiert sind, wenn die Einführung einer Software in Angriff genommen wird. Unseren Kunden bieten wir daher immer auch Unternehmensberatung in den Bereichen Organisation und Finanzen während der Einführungsphase.

Heike Mews: Sie haben es alle angesprochen: FileMaker hat in den letzten Jahren sehr große Entwicklungssprünge gemacht. Doch auch alle anderen technologischen Entwicklungen gehen mit Riesenschritten voran. Ist FileMaker noch zeitgemäß? Wie können sich FileMaker-Entwicklungen in Zeiten von Web 2.0, Open Source und Cloud-Services behaupten?

Thomas Hahn: Also erst einmal sind das nur Begriffe, keine Lösungsanforderungen. Denn es stellt sich schnell die Frage, was ist Open­Source wirklich? Wir geben 20 Jahre Entwicklungscode und alle Dokumentationen frei und der Administrator einer Agentur baut sich dann seine eigene Agentursoft­ware? Das funktioniert so aber nicht! Zur Entwicklung einer wirklichen Lösung gehört mehr als nur der Softwarecode. Software lebt nicht nur von der Verwaltung von Daten, sondern von dem Wissen um die Abläufe in den Unternehmen.

Martin Engler: Das sehe ich auch so. Diese derzeit aktuellen Hypes gehen am Thema Workflow-Software vorbei. Keiner unserer Kunden will seine sensiblen Daten in der Cloud sehen. Man darf nicht vergessen: Werbeagenturen sind häufig schon vor Markteinführung eines Produkts für ihre Kunden tätig; es besteht somit ein hoher Geheimhaltungsbedarf.

Norbert Grünberg: Ich denke, wer auf Daten­sicher­heit und eigene Verwaltung seiner Daten wert legt, ist mit FileMaker und CRACK project auf der sicheren Seite. Die Cloud Euphorie wird vermutlich platzen, wenn uns die ersten Clouds um die Ohren fliegen. Darüber hinaus ist es wichtig, seine sensibelsten Daten auch selbst zu hosten und nicht auf Dritte und deren Server angewiesen zu sein.

Heike Landschulz: Ich weiß auch nicht, ob Unternehmen ihre sensiblen Daten wirklich in eine Cloud legen wollen. Mit FileMaker haben sie alles im Haus. Und warum muss es eine eingeschränkte browserbasierte möglicherweise langsame Lösung sein, wenn man mit einem Tool schnellere Applikationen mit höherem Leistungsumfang erstellen kann?

Thomas Hahn: Ja, gerade mit dem Begriff 'Cloud Services' wird viel Unfug getrieben. Wir bieten mit unserer zweiten Firma walkingtoweb.com seit über 10 Jahren sehr erfolgreich das Hosting von FileMaker Datenbanken für unsere Kunden an und haben große und weltweit operierende Unternehmen als Kunden. Alles das sind seit Jahren Cloud Services, ergänzt durch Server-basierte Dokumentenverzeichnisse und Groupwarelösungen. Wenn mir ein Anbieter von Agentursoftware sagt, dass seine Lösung in der Cloud läuft, dann wird damit kein einziges relevantes Feature beschrieben, mit dem ich z.B. die Kennzahlen meiner Agentur auslesen und verbessern kann.

Jürgen Helle: Es macht tatsächlich nicht immer Sinn, alles in einen Browser quetschen zu wollen. Trotz Web 2.0 sind die Möglichkeiten dort immer noch sehr eingeschränkt. Und die Entwicklung ist ja mittlerweile auch schon wieder gegenläufig. Eine spezielle App für Wikipedia kann einfach deutlich komfortabler sein als Wikipedia in einem Web-Browser. Und finden Sie es wirklich sinnvoll, sensible Firmendaten in einer Cloud zu speichern?

Heike Mews: Mobilität – Daten immer und überall zur Verfügung zu haben – ist eines der großen Schlagworte unserer Zeit. Wie setzen Sie in Ihrer Software diese Erwartungen um?

Martin Engler: Hier kommen dann in der Tat Web-gestützte Module zum Einsatz, die Device-unabhängig mobilen Zugriff auf die Datenbank ermöglichen.

Thomas Hahn: FileMaker bietet schon seit einer Weile FileMaker Go für iPhone und iPad an. Die ersten Versionen waren bereits überzeugend, aber mit dem neuen FileMaker 12 wird das mobile Datenhandling jetzt richtig spannend. Wir entwickeln hier bereits Lösungen und stellen zurzeit unsere erste sehr umfangreiche native, also auf Apple xCode basierende iPad App fertig. Mit dem Wissen, das wir mit dieser Lösung gesammelt haben und den Kundenwünschen werden wir das Thema im Herbst mit einer eigenen mobilen blue. Version angehen.

Heike Landschulz: Durch FileMaker Go und immer schneller werdende Internetzugänge ist das kein Problem mehr. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, nur bestimmte Daten auf den mobilen Geräten zu haben und diese dann im Büro mit dem großen Datenbestand abzugleichen.

Jürgen Helle: Mittlerweile ist es möglich, nahezu den kompletten Funktionsumfang unserer :agentursuite auch mobil über iPad und iPhone zu nutzen. Mal kurz etwas nachzuschauen, ist auch mit dem iPhone durchaus praktikabel. Einen umfangreichen Kostenvoranschlag schreibt man natürlich besser im Büro am großen Bildschirm.

Norbert Grünberg: Mobilität realisieren wir über Apps für Smartphone und Pads, den Fernzugriff via VPN. Und das vom eigenen Rechner aus ohne Fremdhosting.

Heike Mews: Bei meinen Kunden entsteht immer wieder die Notwendigkeit, die Agentursoftware mit anderen Systemen, z.B. den Auftragssystemen großer Konzernkunden, zu koppeln. Wie offen ist eine FileMaker basierende Anwendung? Welche Schnittstellen sind denkbar?

Heike Landschulz: FileMaker ist offen für alles. Es gibt einfache Im- und Exporte über textbasierte Dateien bis zu xml- und ODBC-Anbindungen. Mit der ESS-Schnittstelle können auch Daten mit SQL-Datenbanken in beide Richtungen abgeglichen werden. Diese Schnittstellen können sowohl vom Anwender am Arbeitsplatz angestoßen als auch vom Server voll automatisch erledigt werden.

Martin Engler: Alle. LES hat AgenturOffice an zehn FiBu-Systeme angebunden, an jedes Mail-Programm, an WebDAV bzw. CalDAV – also z.B. iCal – , LDAP, Telefonanlagen, SAP, an SQL-Datenbanken und Web-gestützte Abstimmungslösungen. In einem Fall haben wir sogar eine integrierte Workflow-Lösung zwischen einem Agentur-Lieferanten, der Agentur und den Agenturkunden geschaffen, was ein Höchstmaß an Effizienz gewährleistet.

Thomas Hahn: Frau Landschulz hat es bereits gesagt: FileMaker ist sehr offen und der FileMaker Server ist ein kleines Wunderwerk an Schnittstellen. Diese Integrationsfähigkeit von FileMaker in andere Lösungen ist das für unsere Entwicklung wichtigste Argument. *)
Wir haben eine Lösung entwickelt, mit der aus einer FileMaker Datenbank heraus direkt umfangreiche mySQL basierte Websites, die gesamte auf Adobe InDesign basierte Katalogproduktion sowie eine iPad App gesteuert und mit Daten gefüllt werden können. Das ganze natürlich mehrsprachig, über mehrere Standorte und mit unterschiedlichen Zugriffsrechten. Die Mitarbeiter können dann ihre Inhalte via FileMaker, einem iPad oder einem Browser pflegen. FileMaker bietet eine derart breite Auswahl von Schnittstellen an, dass ich dieses Entwicklungstool schon allen darum immer wieder einsetze.

Jürgen Helle: Wie schon mehrfach gesagt: In diesem Bereich ist mit FileMaker (fast) alles möglich. Wir haben Schnittstellen zu verschiedenen Buchhaltungssytemen wie Datev oder Diamant, die automatische Synchronisierung von ausgewählten Daten mit dem Apple Adressbuch sowie von Terminen und persönlichen Erinnerungen realisiert.

Norbert Grünberg: Auch aus CRACK Project sind alle Daten exportierbar. Es gibt vorbereitete Exporte für Buchhaltungssoftware wie z.B. DATEV und LexWare. Per Klick können Daten in eine Excel-Liste übergeben oder aus Fremdsystemen importiert werden.

Heike Mews: Manche Funktionen, über die FileMaker eigentlich nicht verfügt, können über selbst entwickelte oder Drittanbieter-Add-ons bereitgestellt werden. Wird in Ihrem Produkt mit Add-ons gearbeitet?

Martin Engler: Ja, allerdings sparsam, um nicht in zu große Abhängigkeit von Drittanbietern zu geraten. So wird z.B. die Mail-Integration mittels eines PlugIns gelöst.

Norbert Grünberg: In Crack project gibt es Apps für iPhone und iPad und ein PlugIn für den Mailversand.

Jürgen Helle: Wir versuchen, so weit es geht, auf FileMaker-Plugins zu verzichten, um eine größtmögliche Kompatibilität auch zu zukünftigen FileMaker Versionen zu erhalten. Unsere :agentursuite ist jedoch nicht nur mit FileMaker programmiert, sondern wir haben auch Module die komplett eigenständig laufen, wie z.B. die WEB Zeiterfassung, das Online ClientCenter, sowie die eigenständigen Programme für die sekundengenaue Start-Stop Zeiterfassung.

Heike Landschulz: Mein Grundmodul von Job+ kommt ohne PlugIns aus. Das senkt den Einstiegspreis und macht mich unabhängig von PlugIn-Herstellern. Wenn allerdings ein Kunde eine bestimmte Funktionalität haben möchte, setzte ich selbstverständlich auch PlugIns ein.

Thomas Hahn: Diese Schnittstelle ist überhaupt eines der besten Features und wir selbst nutzen PlugIns für unsere Lösungen sehr intensiv. Dass es alle Funktionen in FileMaker selbst geben muss, wäre ein falscher Ansatz. Viel wichtiger ist die Integrationsfähigkeit und diese wird durch die Plugins überhaupt erst spannend. Wir haben so auf FileMaker Basis eine Bilddatenbanklösung entwickelt, in der unsere Kunden weit über 200.000 Bilder verwalten, per FTP, mySQL und InDesign publizieren und via mehreren Standorten die hochauflösenden Bilddaten verwalten können. Das alles geht mit FileMaker Plugins und erweitert den Horizont der Möglichkeiten enorm. Wie schon gesagt, wichtig sollte immer die Integration sein. Das Denken in kleinen Insellösungen wie von vielen anderen Agenturlösungen ist nicht der Ansatz, den wir mit blue. gehen wollen.

Heike Mews: Nochmal zu den Pluspunkten: welche Vorteile bringt es für Agenturen, mit einer FileMaker-basierenden Anwendung zu arbeiten? Wo sehen Sie die hauptsächliche Argumente für einen Einsatz?

Heike Landschulz: Ein Hauptargument für FileMaker und Job+ ist der niedrige Einstiegspreis und die Möglichkeit „am offenen Herzen“ kleine Programmänderungen zu erledigen. Und natürlich die Multiplattform-Fähigkeit.

Norbert Grünberg: Hohe Anpassbarkeit, schnell zu erlernen, zuverlässig und stabil, schnell und sicher. Wir passen für unsere User kleine Wunschfunktionen kostenlos an. Und durch unser Bundle erhalten Käufer eine FileMaker Lizenz, die sie für eigene kleine Datenbankanwendungen zusätzlich nutzen können. FileMaker wird von vielen unserer Anwender als Ersatz für Excel verwendet, weil es einfacher ist und die Daten im Netzwerk allen Mitarbeitern zur Verfügung stehen und das sogar auf dem Handy oder Pad.

Martin Engler: Auf FileMaker zu setzen, war für LES eine produktstrategische Entscheidung: Keine Entwicklungsumgebung bietet – neben der Plattformunabhängigkeit – die Möglichkeit, unser Geschäftsmodell einer anpassbaren Workflow-Software für die strukturell mittelständische Zielgruppe inhabergeführter Agenturen zu marktgängigen Preisen zu realisieren. Von uns in Teilbereichen auch immer wieder durchgeführte Web-Entwicklungen haben gezeigt, dass die Entwicklungszeiten und damit -kosten hier immer noch – auch bei Anwendung moderner Baukastensysteme wie z.B. Ruby on Rails – um den Faktor 3 bis 5 höher liegen als mit FileMaker. Es geht hier also nicht um philosophische oder technische Aspekte, sondern schlicht um Geld.

Thomas Hahn: FileMaker und blue. sind für uns Middleware-Lösungen, die sich an die verschiedenen Anforderungen direkt vor Ort bei einem Kunden anpassen und in bestehende Umgebungen integrieren lassen. Durch die einfache Erweiterbarkeit können wir blue. so erweitern, wie es der Kunde benötigt und das meist schon vor Ort während einer Integration.

 

Download Artikel