Credo: „Agentursoftware ist tot.“

Mein Interviewpartner:
Martin Reitbauer
Gründer MAVENO FlexCo | LeadToBill
Agentursoftware begleitet Michael Schachinger, meinen Partner in Crime, und mich seit über zwei Jahrzehnten. Zuerst auf der Anbieterseite: Dort habe ich miterlebt – und selbst mitgeprägt -, wie aus schlanken Werkzeugen immer mächtigere Komplettsysteme wurden. 2013 standen wir schon einmal hier im Guide Rede und Antwort, damals für die TEAMBOX.
Heute bauen wir mit LeadToBill bewusst das Gegenteil einer klassischen Agentursoftware: ein Werkzeug, das nur den Weg vom Lead zur Rechnung kennt – und sonst nichts.
Ihr interessantestes Projekt?
LeadToBill selbst – aber nicht, weil es mein Produkt ist, sondern wegen der Ausgangsfrage: Was würde man Agenturen heute geben, wenn es den Begriff „Agentursoftware“ nie gegeben hätte? Ein Werkzeug, das nur den wirtschaftlichen, essentiellen Kernprozess abbildet: Leads/Angebote, Projekte, (Zeiterfassung) und Rechnungen. Nicht mehr.

Warum sagen Sie: „Agentursoftware ist tot“?
Weil die Kategorie an ihrem eigenen Anspruch erstickt ist. Zwanzig Jahre lang hieß Fortschritt: noch ein Modul, noch eine Ansicht, noch ein Konfigurationsschalter. Das Ergebnis sind Systeme, die eine Einführungsberatung, Schulungen und einen Admin brauchen – für Agenturen mit zehn Leuten.
„Agentursoftware ist tot” – und trotzdem bauen Sie selbst eine. Wäre es nicht richtiger zu sagen: Die alte Agentursoftware ist tot, aber die Kategorie lebt weiter – nur anders? Oder brauchen wir wirklich einen neuen Begriff für das, was Sie und andere Anbieter gerade entwickeln?“
Tot ist nicht das Bedürfnis dahinter, tot ist die Idee, dass Software alles können muss. Kalender, Projektmanagement, Personal… you name it. Doch dafür gibt es Spezialisten und spezialisierte Systeme, die das besser können. Ein gutes Werkzeug bildet den Kernprozess der Agentur ab und verbindet sich mit dem Rest, statt ihn nachzubauen.
Können Sie das genauer erklären?
Die Kategorie als solche brauchen wir vielleicht tatsächlich nicht mehr, weil sie genau das Denken transportiert, das wir hinter uns lassen wollen.
Was wir bauen, ist kein „schlankes Agentursoftware-Produkt” – es ist ein Kernprozess-Werkzeug, das sich mit Spezialisten verbindet. Ob man das Agentursoftware nennt oder nicht, ist mir weniger wichtig als die Frage, ob es Agenturen wirklich hilft. Den Begriff können wir gerne neu verhandeln. Die Funktion bleibt.
Da bin ich auf die Reaktionen gespannt :-) Was ist Ihre größte Herausforderung?
Weglassen. Jede Woche gibt es gute Argumente für ein neues Feature – und fast jedes würde LeadToBill ein Stück mehr zu genau der Agentursoftware machen, die wir für tot erklärt haben. Nein sagen ist die härteste Disziplin im Produktbau.
Spaß macht besonders…
… zuzusehen, wie sich Tester ohne Demo, ohne Sales-Call und ohne Handbuch einloggen und nach wenigen Minuten einfach arbeiten. Jedes Mal, wenn das passiert, ist es die Bestätigung, dass Software sich selbst erklären kann, wenn man sie kompakt und einfach genug hält.
Unglaublich toll war auch wie ich eben bei einer Agentur mit 14 Mitarbeitern LeadToBill vorgestellt habe, die langem eine Agentursoftware nutzen und sich jetzt aber auf die Suche gemacht haben weil sie weg wollen von dieser teuren und schwerfälligen Rundum Lösung.
Beste technologische Entwicklung derzeit aus Ihrer Sicht?
AI – aber anders, als sie die Branche gerade einsetzt. Die meisten Anbieter kleben AI als weiteres Feature auf bestehende Systeme. LeadToBill ist von Anfang an damit gebaut: Unser AI Assistent beantwortet nicht nur Fragen, er führt aus. „Wir machen Websites, lege mir einen Leistungskatalog an und den Kunden dazu“ – und genau das passiert: Katalog mit Preisen, Kunde, auf Wunsch gleich der Angebotsvorschlag. Anpassbar bleibt alles. So verschwinden Formulare und Klickstrecken, und Software wird wieder ein Werkzeug statt einer Übung.
Zukunftsvisionen für LeadToBill?
Dass Lead-zu-Rechnung so selbstverständlich läuft, dass niemand mehr über „Software-Einführung“ spricht. Registrieren, einloggen, arbeiten – mehr Projekt soll die Einführung nie sein. Und ein wachsendes Netz an Schnittstellen, damit LeadToBill mit den Systemen und Spezialisten zusammenspielt, mit denen Agenturen ohnehin arbeiten – während das Kernprodukt einfach bleibt.
Tollstes Erlebnis mit LeadToBill?
Der Start der Warteliste: Menschen, die uns noch nie gesehen hatten, haben sich eine eigene Umgebung geholt und sind nun am testen, ohne dass wir ein einziges Verkaufsgespräch geführt haben.
Was macht LeadToBill besonders attraktiv?
Radikale Einfachheit im kompletten Ablauf: Leads, Projekte und Rechnungen an einem Ort, verbunden über Schnittstellen mit vielen anderen Systemen und mit den Spezialisten des jeweiligen Fachs. Das Kernprodukt bleibt dabei einfach. Und frühestens ab Herbst gibt es keine Überraschungen, sondern faire, sehr günstige und transparente Konditionen.
Und der AI Assistent arbeitet mit: Er legt Kunden an, erstellt Leistungskataloge und macht Angebotsvorschläge – ein Satz genügt. Und das Beste: vermutlich werden etliche Mitarbeiter LeadToBill kaum zu Gesicht bekommen weil einfach mit ihrem chatGPT oder Claude Client oder… dann mit LeadToBill kommuniziert wird.
Ein Wunsch an Ihre Kunden:
Sagt uns nicht nur, was euch fehlt – sagt uns vor allem, was ihr nicht braucht. Das ist für uns die wertvollere Information.
Ein letztes Wort…
Agentursoftware ist tot.
Was bleibt, ist das, wofür sie einmal gedacht war:
Agenturen das Arbeiten leichter machen. Genau dort machen wir weiter.
Foto: © Martin Reitbauer





