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Cyber-Angriffe auf Agenturen: So schützen Sie sich systematisch

Wenn der Montagmorgen zum Albtraum wird

Der Geschäftsführer einer mittelgroßen Werbeagentur kommt montagmorgens ins Büro. Routinierter Griff zum Laptop, Kaffee daneben, erster Blick in die E-Mails. Doch statt der üblichen Kundenanfragen erscheint eine Nachricht auf dem Bildschirm: „Ihre Dateien wurden verschlüsselt. Für die Entschlüsselung zahlen Sie bitte 50.000 Euro in Bitcoin.“ Die Kreativ-Dateien für die Kundenpräsentation am Nachmittag? Unzugänglich. Die Projektdaten der letzten Monate? Gesperrt. Die Backup-Festplatte, die im selben Netzwerk hing? Ebenfalls verschlüsselt.

Was wie der Trailer zu einem Vorabendkrimi klingt, ist für einige Agenturen bereits Realität geworden. Cyber-Angriffe treffen längst nicht mehr nur Konzerne oder Behörden. Kleine und mittelgroße Agenturen sind oft sogar attraktivere Ziele als große Unternehmen, weil ihre Sicherheitsmaßnahmen häufig weniger ausgeprägt sind. Dabei verfügen Agenturen über Dinge, die für Angreifer wertvoll sind: Kundendaten, sensible Kampagnenmaterialien, Zugänge zu Kunden-Systemen und nicht zuletzt die Möglichkeit, über kompromittierte Agentur-Accounts weitere Unternehmen anzugreifen.“

Cyber-Angriffe auf Agenturen: Grafik Security Alert

Dieser Artikel zeigt Ihnen, warum Cyber-Angriffe auf Agenturen keine Seltenheit sind und wie Sie Ihre Agentur systematisch vor Cyber-Angriffen schützen können und zwar ohne dass Sie dafür ein IT-Studium absolvieren müssen. Es geht um realistische Bedrohungen, umsetzbare Maßnahmen und den Aufbau einer Sicherheitskultur, die Ihre Agentur resilient macht.

Warum Agenturen attraktive Ziele sind

Viele Agenturinhaber denken: „Wir sind zu klein, um interessant zu sein. Angreifer haben es auf die Großen abgesehen.“ Das ist ein gefährlicher Irrtum. Agenturen sind aus mehreren Gründen attraktiv für Cyberkriminelle.

  1. Gefundenes Fressen
    Agenturen verfügen über wertvolle Daten: Kundendatenbanken mit Kontaktinformationen, Briefings mit strategischen Informationen, Kampagnenmaterialien vor der Veröffentlichung, Zugangsdaten zu Social-Media-Accounts Ihrer Kunden… All das hat einen Wert, entweder für Erpressung, Weiterverkauf oder gezielte Angriffe auf Ihre Kunden. Wenn ein Angreifer Zugang zu Ihrem System hat, hat er möglicherweise auch Zugang zu den Systemen Ihrer Kunden, etwa über bei IHnen gespeicherte Passwörter.
  2. Fehlende IT und Gefahreneinschätzung
    Zweitens sind viele Agenturen technologisch weniger gut geschützt als größere Unternehmen
    Leider fehlt in Agenturen öfter eine dedizierte IT-Abteilung, an Budget für professionelle Sicherheitslösungen oder schlicht an Bewusstsein für die Risiken. Angreifer wissen das und nutzen es aus. Die Erfolgsquote bei Angriffen auf kleinere Unternehmen ist höher, der Aufwand geringer.
  3. Remotearbeit und Externe
    Agenturen arbeiten häufig mit Freelancern und mit wechselnden Teams. Das und die immer üblichere Remote-Arbeit erhöht die Angriffsfläche. Jeder zusätzliche Zugang, jedes Home-Office, jeder externe Mitarbeitende ist ein potenzielles Einfallstor, wenn die Sicherheitsmaßnahmen nicht konsequent sind.
  4. Fehlende Backup Strategien
    Viertens haben Agenturen oft keine umfassenden Backup- und Recovery-Strategien. Wenn Daten verschlüsselt werden, gibt es keine schnelle Wiederherstellung. Der Druck, das Lösegeld zu zahlen, ist entsprechend hoch und genau darauf spekulieren Angreifer.

Die häufigsten Einfallstore erkennen

Phishing

Der mit Abstand häufigste Angriffsvektor ist Phishing. Dabei erhalten Ihre Mitarbeitenden E-Mails, die vorgeben, von Kunden, Kolleg*innen oder Dienstleistern zu stammen.

Die E-Mail fordert zum Klick auf einen Link oder zum Öffnen eines Anhangs auf.
Der Link führt auf eine gefälschte Website, die Zugangsdaten abgreift.
Der Anhang enthält Schadsoftware, die sich im System einnistet.

Eine besonders perfide Variante ist Spear-Phishing, bei dem Angreifer gezielt recherchieren. Sie wissen, wer in Ihrer Agentur arbeitet, wer welche Rolle hat, welche Kunden Sie betreuen. Die gefälschte E-Mail kommt dann vermeintlich vom Chef, der gerade auf Geschäftsreise ist und dringend eine Überweisung braucht. Oder von der Kundin, die ein angeblich vertrauliches Dokument schickt. Diese Mails sind schwerer zu erkennen, weil sie personalisiert und kontextbezogen sind.

Ransomware

Ransomware ist die Konsequenz vieler erfolgreicher Phishing-Angriffe. Die Schadsoftware verschlüsselt Dateien auf Ihrem System und fordert Lösegeld für die Entschlüsselung. Moderne Ransomware ist dabei raffiniert: Sie breitet sich im Netzwerk aus, verschlüsselt auch Backup-Systeme, die erreichbar sind und stiehlt vor der Verschlüsselung Daten, um zusätzlichen Druck aufzubauen. Die Drohung: „Zahlt ihr nicht, veröffentlichen wir eure Kundendaten.“

Unsichere Passwörter

Cyber-Angriffe auf Agenturen: Bild mit Tablet geschütztem Login

Unsichere Passwörter sind ein weiteres großes Problem. Viele Menschen nutzen schwache Passwörter wie den Firmennamen mit einer Jahreszahl oder dasselbe Passwort für mehrere Dienste. Wenn ein Dienst kompromittiert wird und Passwörter geleakt werden, probieren Angreifer diese Kombinationen bei anderen Diensten aus. Dieses sogenannte Credential Stuffing ist erschreckend erfolgreich.

Veraltete Software

Veraltete Software und fehlende Updates schaffen Sicherheitslücken, die Angreifer ausnutzen können. Jede Software hat gelegentlich Schwachstellen, die entdeckt und durch Updates geschlossen werden. Wer Updates nicht einspielt, lässt bekannte, neu erkannte Hintertüren offen. Das gilt für Betriebssysteme ebenso wie für Browser, Office-Software oder Content-Management-Systeme.

Home-Office

Unsichere Remote-Zugänge sind besonders seit der Zunahme von Home-Office ein Risiko. Wenn Mitarbeiter*innen von zu Hause auf Agentur-Systeme zugreifen, ohne dass dieser Zugang abgesichert ist, können Angreifer diesen Weg nutzen. Ein unverschlüsselter Zugriff, fehlende Zwei-Faktor-Authentifizierung oder ein kompromittiertes Heim-Netzwerk werden zur Schwachstelle.

Social Engineering

Social Engineering geht über Phishing hinaus und nutzt menschliche Psychologie. Ein Angreifer ruft als vermeintlicher IT-Dienstleister an und bittet um Zugangsdaten, um ein Problem zu beheben. Oder jemand gibt sich als neue Mitarbeiterin aus und bittet um Zugang zu bestimmten Systemen. Menschen sind hilfsbereit und vertrauen in beruflichen Kontexten und leider wird genau das ausgenutzt.

Technische Schutzmaßnahmen, die jede Agentur umsetzen kann

Die gute Nachricht ist: Grundlegender Schutz ist nicht kompliziert und nicht teuer. Sie müssen kein IT-Experte sein, um die wichtigsten Maßnahmen umzusetzen. Viele davon sind sogar kostenlos oder in Software enthalten, die Sie bereits nutzen.

Führen Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein

Der wichtigste erste Schritt ist die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung überall, wo sie verfügbar ist. Zwei-Faktor-Authentifizierung bedeutet, dass neben dem Passwort ein zweiter Nachweis erforderlich ist. Das ist typischerweise ein Code, der auf Ihr Smartphone geschickt wird oder den eine Authenticator-App generiert. Selbst wenn ein Angreifer Ihr Passwort hat, kommt er ohne diesen zweiten Faktor nicht in Ihr System. Aktivieren Sie 2FA mindestens für E-Mail-Accounts, Ihre Agentursoftware, Cloud-Speicher, Finanzsysteme und alle Social-Media-Accounts, die Sie für Kunden verwalten. Die paar Sekunden Extra-Aufwand beim Login sind ein minimaler Preis für massiv erhöhte Sicherheit.

Nutzen Sie einen Passwort-Manager

Ein Passwort-Manager sollte in jeder Agentur Standard sein. Er generiert für jeden Dienst ein einzigartiges, langes, zufälliges Passwort und speichert es verschlüsselt. Sie müssen sich nur noch ein einziges Master-Passwort merken. Das verhindert die beiden größten Passwort-Probleme: schwache Passwörter und die Mehrfachnutzung desselben Passworts. Moderne Passwort-Manager bieten auch Team-Funktionen, mit denen Sie gemeinsam genutzte Accounts sicher verwalten können, ohne Passwörter per E-Mail oder Chat zu verschicken.

Aktivieren Sie Firewalls und Antivirus Software

Firewall und Antivirus-Software klingen banal, sind aber grundlegend. Moderne Betriebssysteme haben eingebaute Firewalls, die Sie aktivieren sollten. Eine Firewall kontrolliert, welche Verbindungen in Ihr Netzwerk und aus Ihrem Netzwerk hinaus erlaubt sind. Antivirus-Software erkennt bekannte Schadsoftware und blockiert diese. Wichtig ist, dass diese Software aktuell gehalten wird, denn veraltete Virendefinitionen helfen nicht gegen neue Bedrohungen.

Sorgen Sie für Updates

Regelmäßige Software-Updates sind unverzichtbar. Aktivieren Sie automatische Updates für Betriebssysteme, Browser, Office-Software und alle anderen Programme, die Sie nutzen. Ja, Updates können manchmal stören, weil sie einen Neustart erfordern. Aber die Alternative – eine Sicherheitslücke, die wochenlang offen bleibt – ist deutlich gefährlicher. Wenn Ihre Agentursoftware Cloud-basiert ist, werden Updates dort automatisch eingespielt. Bei lokaler Software müssen Sie selbst dafür sorgen.

Schützen Sie Ihre E-Mails

E-Mail-Sicherheit ist ein eigenes Thema, weil E-Mails das Haupteinfallstor für Angriffe sind. Moderne E-Mail-Systeme haben Spam- und Phishing-Filter, die viele Angriffe abfangen. Diese Filter lernen ständig dazu, sind aber nicht perfekt. Zusätzlich sollten Sie E-Mail-Authentifizierung aktivieren, konkret die Standards SPF, DKIM und DMARC. Das klingt technisch, ist aber im Wesentlichen eine Konfiguration, die Ihr IT-Dienstleistender oder Ihr E-Mail-Provider für Sie vornehmen kann. Diese Standards machen es Angreifern schwerer, E-Mails zu fälschen, die vorgeben, von Ihrer Domain zu kommen.

Richten Sie VPN ein

Wenn Sie oder Mitarbeiter*innen viel von zu Hause aus oder sonstwie von unterwegs aus arbeiten, ist ein VPN wichtig. VPN steht für Virtual Private Network und bedeutet, dass die Verbindung zwischen Home-Office und Agentur-Systemen verschlüsselt ist. Niemand, der im selben WLAN ist oder die Datenverbindung abhört, kann sehen, welche Daten übertragen werden. Viele moderne Router und Firewalls haben eingebaute VPN-Funktionen, alternativ gibt es kommerzielle VPN-Dienste.

Cyber-Angriffe auf Agenturen: Grafik mit VPN Darstellung

Arbeiten Sie verschlüsselt

Verschlüsselung sensibler Daten ist besonders wichtig, wenn Sie mit vertraulichen Kundendaten arbeiten. Verschlüsselte Festplatten oder verschlüsselte Cloud-Speicher stellen sicher, dass selbst bei physischem Diebstahl eines Geräts die Daten nicht lesbar sind. Moderne Betriebssysteme bieten eingebaute Verschlüsselung, die Sie aktivieren können.

Segmentieren Sie das Netzwerk

Das Netzwerk Ihrer Agentur sollte segmentiert sein. Das bedeutet konkret: Das WLAN für Gäste und Besucher ist getrennt vom internen Netzwerk, in dem Ihre sensiblen Daten liegen. So kann ein kompromittiertes Gast-Gerät nicht auf Ihre Systeme zugreifen. Auch hier helfen moderne Router mit Gast-Netzwerk-Funktionen.

Der Mensch als entscheidender Faktor

Alle technischen Maßnahmen helfen wenig, wenn Ihre Mitarbeiterinnen unsicher handeln. Der Mensch ist oft das schwächste Glied in der Sicherheitskette! Aber mit dem richtigen Training kann er auch die stärkste Verteidigung sein. Deshalb ist die Schulung Ihrer Mitarbeiterinnen keine Kür, sondern Pflicht.

Die Herausforderung ist: IT-Sicherheit ist abstrakt und wird oft als nervig empfunden. Wer täglich unter Zeitdruck arbeitet, empfindet Sicherheitsmaßnahmen als Bremse. Deshalb ist es wichtig, Sicherheitsbewusstsein nicht als Bevormundung zu vermitteln, sondern als gemeinsame Verantwortung. Machen Sie klar, warum Sicherheit wichtig ist, zeigen Sie reale Beispiele, und schaffen Sie eine Kultur, in der es okay ist, im Zweifel nachzufragen.

Phishing-Erkennung sollten alle in Ihrer Agentur beherrschen.

Führen Sie regelmäßige kurze Schulungen durch, in denen Sie aktuelle Phishing-Beispiele zeigen. Sie können auch simulierte Phishing-Tests durchführen, bei denen Sie selbst harmlose Test-E-Mails verschicken und schauen, wer darauf hereinfällt. Wichtig dabei: Tun Sie dies nicht als Falle oder zur Bestrafung, sondern als Lernmöglichkeit!

Sichere Passwort-Praktiken müssen zur Selbstverständlichkeit werden.

Für gemeinsam genutzte Accounts nutzen Sie die Team-Funktion Ihres Passwort-Managers. Passwörter werden regelmäßig geändert, besonders wenn ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin die Agentur verlässt oder wenn es einen Sicherheitsvorfall gegeben hat.

Social-Engineering-Awareness ist schwerer zu trainieren als technisches Wissen, weil es um Intuition und Misstrauen geht! Sind dies doch Eigenschaften, die im Arbeitsalltag oft hinderlich sind. Trotzdem ist es wichtig, dass Ihre Mitarbeiter*innen verstehen: Nicht jede Anfrage ist legitim, nur weil sie professionell klingt.

Etablieren Sie eine Kultur, in der Nachfragen erwünscht ist. Niemand sollte Angst haben, dumm dazustehen, weil er oder sie eine verdächtige E-Mail meldet, die sich dann als harmlos herausstellt. Lieber zehnmal unnötig gemeldet als einmal einen echten Angriff übersehen.

Regelmäßige Sicherheits-Updates im Team halten das Thema präsent. Das muss keine stundenlange Schulung sein. Ein fünfminütiger Punkt im wöchentlichen Team-Meeting reicht oft: „Aktuell kursieren Mails, die vorgeben, vom Finanzamt zu sein. Bitte ignorieren und löschen.“ Oder: „Wir haben unsere Passwort-Richtlinie aktualisiert, bitte passt Eure Passwörter bis Ende des Monats an.“ So bleibt Sicherheit im Bewusstsein, ohne dass es als Belastung empfunden wird.

Wenn es trotzdem passiert: Notfall-Vorbereitung gegen Cyber-Angriffe auf Agenturen

Hundertprozentiger Schutz existiert nicht. Selbst bei besten Sicherheitsmaßnahmen kann ein Angriff erfolgreich sein! Beispielsweise durch eine neue, noch unbekannte Schwachstelle, durch einen Moment der Unachtsamkeit oder schlicht durch Pech. Deshalb braucht jede Agentur einen Plan für den Fall der Fälle.

Das Wichtigste ist, nicht in Panik zu verfallen. Ein strukturierter Notfallplan gibt Ihnen Handlungsfähigkeit in einer stressigen Situation. Dieser Plan sollte klar definieren, wer im Notfall was tut, wie intern und extern kommuniziert wird, welche Systeme priorisiert werden und welche externen Partner einbezogen werden müssen.

Zu einem guten Notfallplan gehören mehrere Elemente:

  • Die Benennung eines Notfall-Teams, also der Personen, die im Ernstfall die Koordination übernehmen.
  • Eine Liste mit Notfall-Kontakten: von Ihrem IT-Dienstleister über Software-Support bis hin zu Behörden wie der Polizei oder dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.
  • Definierte Handlungsschritte für die häufigsten Szenarien wie Ransomware-Angriff, Serverausfall oder Datenleck.
  • Und nicht zuletzt einen Kommunikationsplan, der regelt, wer Kunden, Mitarbeitende oder gegebenenfalls die Öffentlichkeit informiert.

Eine Cyber-Versicherung kann sinnvoll sein. Sie deckt Kosten für IT-Forensik, Wiederherstellung, Rechtsberatung und manchmal auch Lösegeldzahlungen. Wichtig ist, die Versicherungsbedingungen genau zu verstehen und zu wissen, welche Sicherheitsmaßnahmen Voraussetzung für den Versicherungsschutz sind.

Da die Erstellung eines professionellen IT-Notfallplans ein eigenes, umfangreiches Thema ist, widmen wir dem nächsten Artikel im Agentursoftware-Guide genau diesem Thema: „IT-Notfallplan für Agenturen: In 5 Schritten vorbereitet sein“ führt Sie Schritt für Schritt durch den Aufbau eines funktionierenden Notfallplans – von der Identifikation kritischer Systeme über die sichere Dokumentation von Zugängen bis zur Backup-Strategie und dem Kommunikationsplan im Ernstfall.


Agentursoftware und Cloud: Besondere Überlegungen

Wenn Ihre Agentur eine Cloud-basierte Agentursoftware nutzt, sind Sie in mancher Hinsicht sicherer als mit lokalen Systemen. Professionelle Software-Anbieter haben spezialisierte Sicherheitsteams, regelmäßige Sicherheits-Audits und Backup-Strategien, die Sie als einzelne Agentur gar nicht leisten könnten. Trotzdem bleibt die Verantwortung bei Ihnen.

Der wichtigste Punkt: Aktivieren Sie alle Sicherheitsfunktionen, die Ihre Software bietet. Viele Cloud-Systeme bieten Zwei-Faktor-Authentifizierung, aber sie ist oft nicht standardmäßig aktiviert. Prüfen Sie die Zugriffsrechte regelmäßig: Wer hat Zugang zu welchen Daten? Haben ehemalige Mitarbeiter*innen noch aktive Accounts? Werden Berechtigungen nach dem Need-to-know-Prinzip vergeben, also alle haben nur Zugriff auf das, was sie wirklich benötigen?

Prüfen Sie auch, welche Sicherheitszertifizierungen Ihr Software-Anbieter hat. ISO-Zertifizierungen für Informationssicherheit, DSGVO-Konformität und regelmäßige Penetrationstests sind gute Zeichen. Seriöse Anbieter veröffentlichen ihre Sicherheitsstandards transparent. Wenn Sie bei Ihrem Anbieter keine Informationen zur Sicherheit finden, ist das ein Warnsignal.

Backups in der Cloud funktionieren meist automatisch, aber prüfen Sie, was genau gesichert wird und wie schnell Sie im Notfall alles wiederherstellen können. Manche Cloud-Dienste bieten Point-in-Time-Recovery, also die Möglichkeit, Daten ab einem bestimmten Zeitpunkt wiederherzustellen. Das ist wertvoll, wenn Sie einen Angriff erst Tage später bemerken.

API-Zugriffe und Integrationen sind potenzielle Schwachstellen. Wenn Ihre Agentursoftware mit anderen Tools zusammenarbeitet (etwa E-Mail-Handling, Buchhaltung oder Projektmanagement) sollten diese Verbindungen über sichere APIs laufen und regelmäßig überprüft werden. Deaktivieren Sie Integrationen, die Sie nicht mehr nutzen!

Cloud vs. On-Premise ist eine strategische Entscheidung mit Sicherheitsimplikationen. Cloud ist oft sicherer, weil professionelle Anbieter mehr Ressourcen für Sicherheit haben, als Sie intern aufbringen können. On-Premise gibt Ihnen mehr Kontrolle, bedeutet aber auch, dass Sie allein verantwortlich sind für Updates, Backups, Firewalls und alles andere. Deshalb ist für die meisten (vor allem kleinere) Agenturen die Cloud-Lösung die vernünftigere Wahl.


DSGVO und rechtliche Verpflichtungen

IT-Sicherheit ist nicht nur eine technische, sondern auch eine rechtliche Frage. Die Datenschutz-Grundverordnung verpflichtet Sie, personenbezogene Daten angemessen zu schützen. „Angemessen“ bedeutet: dem Stand der Technik entsprechend und dem Risiko angepasst. Wenn Sie mit sensiblen Daten arbeiten, müssen Ihre Sicherheitsmaßnahmen entsprechend stark sein.

Eine der wichtigsten DSGVO-Anforderungen ist die Meldepflicht bei Datenpannen. Wenn personenbezogene Daten abhandenkommen, unrechtmäßig offengelegt oder verändert werden, müssen Sie die zuständige Aufsichtsbehörde innerhalb von 72 Stunden informieren. Bei hohem Risiko für Betroffene müssen auch diese direkt informiert werden. Diese Frist ist sehr knapp, weshalb Sie im Notfall schnell handlungsfähig sein müssen.

Auftragsverarbeitungsverträge sind erforderlich, wenn Sie externe Dienstleistungen nutzen, die Zugriff auf personenbezogene Daten haben. Hier also Ihr Cloud-Software-Anbieter, Ihr IT-Dienstleistungs-Unternehmen oder der Backup-Service. Diese Verträge regeln, wie der Dienstleister oder die Dienstleisterin mit den Daten umgehen muss und welche Sicherheitsmaßnahmen zu garantieren sind. Seriöse Anbieter bieten standardisierte AVV-Templates an.

Die in der DSGVO festgelegte Dokumentationspflicht bedeutet, dass Sie nachweisen müssen, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen Sie zum Schutz der Daten getroffen haben. Das ist keine Schikane, sondern hilft Ihnen selbst: Wenn Sie dokumentieren, was Sie tun, können Sie es auch überprüfen und verbessern. Ein einfaches Dokument, das Ihre Sicherheitsmaßnahmen auflistet und regelmäßig aktualisiert wird, reicht aus.

Fazit: Sicherheit ist ein kontinuierlicher Prozess

Cyber-Sicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Die Bedrohungslandschaft ändert sich, neue Angriffsmethoden entstehen, Ihre Agentur wächst und verändert sich. Deshalb reicht es nicht, einmal Maßnahmen umzusetzen und sich dann zurückzulehnen. Sie brauchen eine Sicherheitskultur, in der Schutz zur Selbstverständlichkeit wird.

Die gute Nachricht ist: Die Grundlagen sind nicht kompliziert. Zwei-Faktor-Authentifizierung, Passwort-Manager, regelmäßige Updates, Mitarbeiter*innen-Schulung und ein Notfallplan! Diese fünf Säulen machen Ihre Agentur deutlich sicherer, ohne dass Sie massive Investitionen tätigen oder IT-Experten einstellen müssen. Viele Maßnahmen kosten vor allem: Aufmerksamkeit und Konsequenz.

Beginnen Sie mit den wichtigsten Schritten. Aktivieren Sie 2FA für alle kritischen Accounts. Führen Sie einen Passwort-Manager ein. Schulen Sie Ihr Team in Phishing-Erkennung. Erstellen Sie einen simplen Notfallplan. Schon damit sind Sie besser geschützt als viele andere Agenturen und machen es Angreifern deutlich schwerer.

Sicherheit schafft Vertrauen – bei Kunden, bei Mitarbeitenden, bei Partner*innen. Eine Agentur, die erkennbar auf Datenschutz und IT-Sicherheit achtet, ist professioneller und zuverlässiger. In Zeiten, in denen Datenschutzskandale regelmäßig Schlagzeilen machen, ist das ein Wettbewerbsvorteil. Nutzen Sie ihn.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier die häufig gestellten Fragen (FAQ) zu Cyber-Sicherheit für Agenturen

Brauchen wir als kleine Agentur wirklich Cyber-Sicherheitsmaßnahmen oder sind wir zu klein für Angreifer?

Das ist ein weit verbreiteter, aber gefährlicher Irrtum. Kleine Agenturen sind sogar besonders attraktive Ziele für Cyberkriminelle, weil ihre Sicherheitsmaßnahmen oft schwächer sind als bei großen Unternehmen. Moderne Angriffe erfolgen automatisiert und treffen nicht gezielt einzelne Opfer, sondern scannen das Internet nach Schwachstellen. Wenn Ihre Systeme unsicher sind, werden sie gefunden und zwar unabhängig von der Größe Ihrer Agentur. Zudem verfügen auch kleine Agenturen über wertvolle Daten: Kundenkontakte, Zugänge zu Social-Media-Accounts, vertrauliche Kampagnenmaterialien. Die Grundmaßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, sichere Passwörter und Mitarbeiter*innen-Schulung sind weder teuer noch aufwendig, schützen aber effektiv vor den häufigsten Angriffen.

Was sollen wir tun, wenn wir Opfer eines Ransomware-Angriffs werden – das Lösegeld zahlen oder nicht?

Die Empfehlung von Sicherheitsexperten und Behörden ist eindeutig: Zahlen Sie grundsätzlich kein Lösegeld. Es gibt keine Garantie, dass Sie nach der Zahlung tatsächlich wieder Zugriff auf Ihre Daten erhalten. Viele Opfer zahlen und bekommen entweder keinen Entschlüsselungsschlüssel oder einen, der nicht funktioniert. Zudem finanzieren Sie mit der Zahlung weitere kriminelle Aktivitäten und machen sich selbst zum attraktiven Ziel für erneute Angriffe. Die bessere Strategie ist Prävention: Sorgen Sie für regelmäßige, getrennte Backups, die bei einem Angriff nicht mit verschlüsselt werden. Wenn Sie über funktionierende Backups verfügen, können Sie Ihre Systeme wiederherstellen, ohne zu zahlen. Im Notfall kontaktieren Sie Ihren IT-Dienstleister, die Polizei und gegebenenfalls Ihre Cyber-Versicherung, bevor Sie irgendwelche Zahlungen tätigen.

Wie oft sollten wir unsere Belegschaft in IT-Sicherheit schulen?

IT-Sicherheitsschulung sollte keine einmalige Veranstaltung sein, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Eine ausführlichere Schulung einmal jährlich ist sinnvoll, um Grundlagen zu vermitteln oder aufzufrischen. Dazwischen sollten Sie das Thema regelmäßig präsent halten, zum Beispiel durch kurze Sicherheits-Updates in Team-Meetings alle paar Wochen. Wenn aktuelle Bedrohungen bekannt werden, informieren Sie Ihr Team zeitnah. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Relevanz: Zeigen Sie konkrete, realistische Beispiele aus dem Agentur-Alltag statt abstrakte Bedrohungsszenarien. Simulierte Phishing-Tests können hilfreich sein, sollten aber als Lernmöglichkeit gestaltet werden, nicht als Falle. Eine Kultur, in der Sicherheit selbstverständlich ist und in der Nachfragen erwünscht ist, ist langfristig wirksamer als gelegentliche Pflichtrunden.

Was bedeutet Zwei-Faktor-Authentifizierung genau und warum ist sie so wichtig?

Zwei-Faktor-Authentifizierung bedeutet, dass Sie für den Zugang zu einem System zwei unterschiedliche Nachweise brauchen: etwas, das Sie wissen (Ihr Passwort), und etwas, das Sie haben (meist Ihr Smartphone). Nach der Eingabe Ihres Passworts wird ein zeitlich begrenzter Code auf Ihr Smartphone geschickt oder von einer Authenticator-App generiert, den Sie zusätzlich eingeben müssen. Diese Methode ist so effektiv, weil ein Angreifer selbst mit Ihrem Passwort keinen Zugang erhält. Er bräuchte hierfür zusätzlich physischen Zugriff auf Ihr Smartphone. Die meisten erfolgreichen Hacks basieren auf gestohlenen oder erratenen Passwörtern. Mit aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung würden diese Angriffe scheitern. Die Aktivierung ist meist einfach: In den Sicherheitseinstellungen Ihres Accounts finden Sie die Option, eine Authenticator-App wie Google Authenticator, Microsoft Authenticator oder Authy zu verbinden. Der minimale zusätzliche Aufwand beim Login ist der Preis für massiv erhöhte Sicherheit.


Weiterführende interne Links
Software-Audit zum Jahresende

Weiterführende externe Links
https://www.digitalbusiness-magazin.de/cyber-risk-and-resilience/
https://www.hosteurope.de/blog/authentifizierung-per-app-die-3-besten-zwei-faktor-authentifizierungsverfahren-im-ueberblick/
https://www.chip.de/news/Konten-gratis-schuetzen-Eine-App-schlaegt-Google-und-Microsoft-im-Test_185551281.html
https://proton.me/de/authenticator
https://www.digitalbusiness-magazin.de/digitale-souveraenitaet-europaeische-alternative-zu-den-hyperscalern-a-926c88c67e8b830a23064df7e1545523/


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